Baubericht über eine festinstallierte Fleischmann Autorennbahnanlage

Ein sehr interessanter Bericht von Ulrich Fürst über den Bau seiner festinstallierten Fleischmann Autorennbahn. Alle Bilder können durch einen Klick darauf vergrößert werden:

Oben die Bahn in der Endausbaustufe. Die 4 langen Geraden oben und rechts werden in der Höhe unterschiedlich sein, also Steigungen und Gefälle aufweisen.
Im mittleren Bereich ist eine kleine Boxengasse geplant, allerdings nur zu Dekozwecken.
Zur Stromversorgung sind zwei Labornetzgeräte mit 0-18 V / 4 A vorgesehen. Jede Spur sollte einzeln regelbar sein, dies erleichtert das Fahren mit Kindern ungemein.
Die Bahn steht auf einem 680 mm hohen Podest aus V100 Spanplatten und Kanthölzern.

Festinstallierte Fleischmann Autorennbahn 2
Festinstallierte Fleischmann Autorennbahn 3

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Unter dem Podest habe ich hinter drei Klapptüren jede Menge Stauraum geschaffen, das erhöht die Akzeptanz bei meiner Ehefrau ungemein!
Im Moment sieht die Bahn noch so aus. In Erwartung der Weihnachtsfeiertage und einiger langer Rennabende habe ich dieses Provisorium aufgebaut (ca. 34m Länge auf der Mittellinie):

Die Steigungen nehme ich jetzt in Angriff, ebenso die Montage von Seitenstreifen aus 10 mm Schichtholz. Diese werden mehr oder weniger komplett um die ganze Bahn verlaufen, lediglich auf der äußersten Geraden ist wohl zu wenig Platz dafür. Landschaftsgestaltung bzw. der Gebäudeaufbau in der Boxengasse folgen im zeitigen Frühjahr.

Generell habe ich mir sehr lange überlegt, wie die Bahn aussehen soll und mich dazu entschlossen, auf Sonderschienen wie Steilkurven, Kreuzungen, Schikanen etc. fast vollständig zu verzichten. Lediglich zwei Engstellen vor Start / Ziel und nach der Boxengasse sowie eine überhöhte Standardkurve 3111 hinten rechts habe ich vorgesehen. Ich möchte die Bahn so flüssig wie möglich bauen, ohne allerdings auf knifflige Kurvenpassagen zu verzichten.
Die enge Innenkurve 3110 verwende ich so z.B. nie unmittelbar nach einer Geraden, da ein 90° Richtungswechsel meiner Ansicht nach zu abrupt ist. Ich schalte immer eine Standardkurve 3111 oder eine Außenkurve 3112 vor. Dies ergibt den Effekt von zuziehenden bzw. aufziehenden Kurven, die sich viel interessanter fahren lassen.
An der Passage nach der Kehre oben links werde ich da wohl noch etwas feilen müssen. Auch will ich auf Leitplanken so weit wie möglich verzichten, da sich Kinder immer sehr gerne daran "anlehnen" und so den Wettbewerb etwas verzerren. In den Flachbereichen werde ich die Platte mit einem recht günstigen, grünen Teppich aus dem Baumarkt belegen. Dieser kostet 2,19 Euro/qm und trägt den schönen Namen "Irish Green". Sieht aus wie Gras und ist deutlich billiger als Modellbauteppich für z.B. Eisenbahnen. Das sollte die Geräusche der Fahrzeuge zusätzlich etwas dämpfen. In den Steigungs- und Gefäl-lebereichen unterlege ich die Schienen mit 1,5 mm Trittschalldämmung für Laminatböden (Schaumstoff oder Kork, beides funktioniert, ich hab es getestet). Alle Schienen werde ich mit kleinen Spax verschrauben und die Verbindungsnasen mit den eingedrehten Schrauben durch die Randstreifen verdecken bzw. dann verspachteln und lackieren.

Ich habe mich, nach jetzt zweitägigen Tests, dazu entschlossen, insgesamt 3 Zusatzeinspeisungen je Spur einzubauen (das sind dann so ca. alle 10 Meter, dies kann ich als Nichtelektriker gerade noch bewältigen). Der Grund ist, dass ich doch auch einige Nicht-Fleischmänner fahre und die mit relativ starken Motoren unterwegs sind. Das merkt man dann zum Teil ein bisschen in den anschlussfernen Regionen.

Nachdem die Weihnachtsfeiertage nun vorbei sind, habe ich die Bahn komplett abgebaut und die Grundplatte mit dem grünen Teppich belegt.

Verkleben wie normalen Teppichboden, doppelseitiges Klebeband, faltenfrei andrücken, fertig. Dass man die Stöße hier noch sieht, ist nicht weiter schlimm. Wenn die Bahnteile aufgelegt sind, fällt das nicht mehr auf.
Anschließend beginnt der Aufbau der Steigungen. Hier sollte man parallel immer gleich die Schienen mit montieren, da man sonst die Abstände von den Wänden nicht exakt bestimmen kann.

Wichtig: Schienen reinigen, elektrische Verbindungsnasen mit Stahlwolle säubern, ausrichten, Sitz kontrollieren und festschrauben. Ich habe zum Verschrauben 2,5 x 16 mm Torx verwendet. Beim Benutzen von Akkuschraubern sollte man vorsichtig sein, die Schraubösen platzen ziemlich schnell aus. Also besser die letzten 3 Umdrehungen von Hand eindrehen. Die Zusatzeinspeisungen werden vorbereitet, d.h. 50 cm Kupferkabel abschneiden, ca. 10 cm abisolieren und von unten in die Öffnungen der Stromleiter einschieben. Achtung ! Es ist wichtig, die einzelnen Kabel mit Haftetiketten sauber zu bezeichnen, sonst gibt es am Ende Kurzschluss und Frust.
Dann Löcher nach unten durchbohren und die Kabelenden einfach durchschieben. Die Kurven kann man mit 4 mm Bastelsperrholz aus dem Baumarkt einfach verkleiden, das Zeug ist hinreichend flexibel. Fertig sieht das dann so aus.

Die Autorennbahn mit Slotcars und Leitplanken


Nach den ersten Testfahrten habe ich die Bahn gegenüber dem Slotman Entwurf ein wenig modifiziert. Es waren mir zu viele Innenkurven drin, die Bahn ließ sich nicht flüssig fahren. Auch habe ich die Engstelle von Start / Ziel weg ins Motodrom hineinverlegt. Die mittlere Bahnläne liegt jetzt bei ca. 38,5 m.
Um zu verhindern, dass mir die Autos permanent vom Tisch fallen, habe ich anfangs noch ein paar Leitplanken verwendet. Diese sollen nach Montage der Seitenstreifen und Anbringung von "Fangzäunen" entfallen.
Im Moment baue ich gerade die Seitenstreifen. Ich möchte alle Kurven, wo möglich, mit 60 mm breiten Seitenstreifen umbauen. Entlang der Geraden sind diese dann nur 20 mm breit, lediglich um die Schraubösen zu verdecken.


Die Herstellung ist nicht ganz einfach, da die anliegenden Radien sehr sauber angepasst sein müssen. Es empfiehlt sich, genaue Kartonschablonen anzufertigen, die Segmente aus 10 mm Gabun-Mehrschichtholz (gibt es beim Schreiner des Vertrauens) per Bandsäge auszusägen und anschließend auf einer Profilbandschleifmaschine "auf Riss" zu schleifen. Sagt sich leicht, wenn man in einem anderen Leben mal Modellschreiner gelernt hat, ist aber ansonsten nicht sauber hinzukriegen. Am Besten einfach mal mit dem Handwerker reden, der kann sicherlich helfen. Wichtig ist, die Seitenstreifen ausreichend zu befestigen. Ich habe nicht etwa so viele Schrauben verwendet, weil diese gerade übrig waren, sondern um die Seitenstreifen in der Höhe ausrichten zu können. Das geht auf der Teppichunterlage sehr gut, da diese etwas federt. Leider liegen die Fleischmann Bahnteile nämlich trotz kompletter Verschraubung nicht überall plan auf. Knifflig wird es bei Radienverschneidungen. Hier muss man sehr sorgfältig mit den Schablonen arbeiten, sonst sieht das hinterher nach nix aus.

Die Randstreifen dann noch mit schwarzer Dispersionsfarbe anpinseln, montieren, fertig. Die Schraubenlöcher werde ich abschließend zuspachteln und schwarz überlackieren.

Nach den ersten Drifts über die Seitenstreifen kann gesagt werden, dass man hinterher nie wieder ohne will. Abflüge reduzieren sich auf ein Minimum, der Fahrspaß steigt beträchtlich. Ganz besonders mit den Fleischmännern, da diese ohne die lästigen Magneten auskommen. Vom Grip her sind die Randstreifen deutlich besser als die Originalschienen. Wenn die Reifen gut geschliffen sind, fangen manche Fahrzeuge (z.B. der Porsche C6, wohl weil er recht leicht ist) sogar an zu "stempeln", d.h. es hüpft ein bisschen mit dem Heck, wenn es auf den Randstreifen ausbricht.
Sobald sich auf dem Randstreifen aber genügend Gummiabrieb angesammelt hat gibt sich das wieder. Sehr gut gehen auch die Fahrzeuge von NINCO. Das sind ausgesprochene Drifter, die aber ein bisschen Gewicht an den Vorderachsen brauchen. Ohne sind sie doch ein wenig kippelig. Ich habe übrigens bis jetzt noch keinen negativen Effekt der offenliegenden Schraubenköpfe auf das Fahrverhalten festgestellt. Vielleicht genügt es ja, diese schwarz anzupinseln anstelle von Verspachteln. Die beiden getrennten Fahrerplätze sind eingerichtet, die Zusatzeinspeisungen angeschlossen. Sobald die Randstreifen und Fangzäune alle angebracht sind, geht es ans Ausgestalten der Strecke.